ohne Titel - 21A/2002 - 56/28 cm - Öl auf Hartfaserplatte
Nahezu zwei Jahrzehnte lebte und arbeitete Helmut Felix Heinrichs in Dresden und gehörte damit zum Dresdener Kunstkreis; die Gemäldegalerie Neue Meister trug dem Rechnung, indem sie im Herbst 2005 drei seiner Bilder erwarb. Der Werdegang des Malers war ungewöhnlich. Geboren 1930 in Wittenberge, erwarb Heinrichs früh grundlegende handwerkliche Kenntnisse; zugleich zeigte sich seine zeichnerische Begabung, die er zunächst in der Volkshochschule seiner Heimatstadt bei Prof. Otto Bertl auszubilden suchte. Doch bis er zu einer eigenen, unverwechselbaren Ausdrucksform gelangte, hatte er, über Jahrzehnte hin, einen weiten Weg zurückzulegen. Zunächst absolvierte er, von 1952 bis 1954, vier Semester Malereistudium bei Theo Balden und Kurt Robbel an der anfänglich noch von Mart Stam geleiteten Kunsthochschule in Berlin-Weißensee. Es folgten Wanderjahre, in denen er u. a. die Zentren der abstrakten Malerei in Stuttgart und Hannover kennenlernte : In Hannover besuchte er die Malschule Harald Schaub. Namentlich durch die Begegnung mit Carl Buchheister fühlte er sich zu eigenen abstrakten Versuchen angeregt und ermutigt. Nach Wittenberge zurückgekehrt, später in Leipzig lebend, ging er vielfältigen gebrauchsgraphischen Tätigkeiten zum Broterwerb nach und konnte sich dadurch weitgehend unabhängig künstlerisch weiterentwickeln - immer auf der Suche zwischen gegenständlich-figurativen und abstrakt-konstruktiven Tendenzen. Eine mit den Jahren gewonnene maltechnische Perfektion war ausschlaggebend für seine Mitarbeit 1982 bis 1986 am Frankenhausener Panoramagemälde von Werner Tübke. Von 1990 bis 2009 war Heinrichs in Dresden-Gorbitz ansässig, und hier gelangte er zu seinem bemerkenswerten Spätwerk. In ihm werden die unterschiedlichen formalen Anregungen, die der Maler im Laufe seines Lebens gewonnen hat, insbesondere vom bauhaus oder von den Werken Kasimir Malewitschs und Willi Baumeisters, in einer eigenen Ausdrucksweise wirksam. Dabei ergibt sich etwas Neues, das auf seine Weise künstlerische Möglichkeiten der Gegenwart, des beginnenden 21. Jahrhunderts, auszuloten scheint. In kontinuierlicher Folge entstehen abstrakte Kompositionen : stille Bilder, die Klarheit und ruhige Strenge ausstrahlen. Durch ihre schlichten, lapidaren Formen und die sanften Farben erinnern Sie in ihrem Wesen an altitalienische Malerei, zumal der Künstler in ihnen immer wieder ein eigenartiges Schweben zwischen flächiger Struktur und räumlich haptischer Illusion erreicht. Man wird angeregt, diese Bilder anhaltend zu betrachten, geradezu vor ihnen zu meditieren, als seien es moderne Ikonen. Felix Heinrichs verstarb im April 2009 in Dresden.